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Wie man ein Franchise auswählt

Checkliste zur Prüfung eines Franchisegebers — uns eingeschlossen

  • Markt
  • 5 Min. Lesezeit
Der Kauf eines Franchise ist ein Geschäft in Millionenhöhe, geprüft wird es aber meist anhand einer Präsentation. Wir haben eine Liste von Fragen zusammengestellt, die man jedem Franchisegeber stellen sollte — uns eingeschlossen.
Ein guter Franchisegeber hat keine Angst vor der Prüfung — im Gegenteil, er rechnet damit. Unten die Reihenfolge, in der es sinnvoll ist, jedes Angebot auf dem Markt zu untersuchen.

Schritt 1. Prüfen Sie, ob das Netzwerk wirklich existiert

Klingt offensichtlich, aber genau hier fällt ein merklicher Teil der Angebote durch.
  • Wie viele Standorte arbeiten jetzt — und nicht „insgesamt eröffnet“
  • Gibt es eine Liste der Standorte mit Adressen, die man selbst prüfen kann
  • Wie viele Standorte haben geschlossen und warum — eine unbequeme Frage, aber die Antwort sagt mehr als die ganze Präsentation
  • Hat das Netzwerk eigene Standorte oder verkauft es nur Franchises
Warnsignal
Ein Netzwerk ohne einen einzigen eigenen laufenden Standort verkauft kein Geschäftsmodell, sondern dessen Beschreibung. Ein solches Modell lässt sich an nichts überprüfen.

Schritt 2. Sprechen Sie mit aktiven Partnern

Die wertvollste Informationsquelle — und die am meisten unterschätzte. Bitten Sie nicht um die Kontakte, die man Ihnen anbietet, sondern um die, die Sie selbst aus der Standortliste auswählen.
Was zu fragen ist:
  1. Stimmte die tatsächliche Investition mit der Kalkulation überein
  2. Wie lange hat die Amortisation tatsächlich gedauert
  3. Was hat das Netzwerk versprochen und nicht geliefert
  4. Wie schnell reagiert der Support, wenn etwas ausfällt
  5. Würden Sie einen zweiten Standort eröffnen — und warum
Die letzte Frage ist die aufschlussreichste. Ein Partner, der einen zweiten Standort eröffnet, ist ein besserer Beleg für das Modell als jede Zahl in einer Präsentation.

Schritt 3. Prüfen Sie die Zahlen

Das Finanzmodell muss überprüfbar sein und nicht „im Marktdurchschnitt“.
  • Woher die Umsatzzahlen stammen. Daten des Fiskaldatenbetreibers, Kassenexporte, Berichte — oder mündliche Versprechen
  • Gibt es eine Aufschlüsselung nach Städten. Der Netzwerkdurchschnitt sagt nichts: Wichtig sind Standorte, die Ihrem nach Einwohnerzahl vergleichbar sind
  • Was in der Investition enthalten ist. „Schlüsselfertig“ schließt oft Ausbau, Betriebskapital oder Ausrüstung nicht ein
  • Vollständige oder operative Amortisation. Sie werden oft absichtlich verwechselt: Die operative tritt nach Monaten ein, die vollständige nach einem Jahr und mehr

Schritt 4. Nehmen Sie den Vertrag auseinander

Lesen sollte man ihn mit einem Anwalt, auf diese Punkte kann man aber auch selbst achten:
  1. Was genau in der Eintrittsgebühr enthalten ist — als Aufzählung, nicht in allgemeinen Worten
  2. Höhe und Beginn der Lizenzgebühr. Ab welchem Monat sie beginnt und wovon sie berechnet wird — vom Umsatz oder vom Gewinn
  3. Gebiet. Ist Ihnen eine Zone zugesichert und zu welchen Bedingungen
  4. Verpflichtungen des Netzwerks — sind Support, Schulung und Content-Updates konkret festgeschrieben
  5. Kündigungsbedingungen und was mit Ausrüstung und Marke geschieht
  6. Pflichtkäufe: gibt es Zwang, bei bestimmten Lieferanten zu überhöhten Preisen zu kaufen

Schritt 5. Bewerten Sie das Produkt

Besuchen Sie einen laufenden Standort als normaler Gast, an einem Wochenende. Achten Sie auf Auslastung, Arbeit des Personals, Zustand der Ausrüstung und Reaktion der Menschen.
Prüfen Sie gesondert, was das Netzwerk von Wettbewerbern unterscheidet. Wenn sich das Produkt aus gekauften Komponenten selbst zusammenstellen lässt, bezahlen Sie nur für die Anleitung. Eigene Entwicklung von Content und IT-Plattform ist das, was sich allein nicht nachbauen lässt.

Anzeichen, die aufhorchen lassen sollten

  • Zeitdruck. „Nur noch zwei Plätze, entscheiden Sie heute“ ist ein Trick des Einzelhandels, unangebracht bei einem Geschäft in Millionenhöhe
  • Einkommensgarantien. Niemand kann Umsatz garantieren: Er hängt von Standort und Führung ab
  • Verweigerung von Partnerkontakten oder nur „eigene“, ausgesuchte
  • Abweichende Zahlen zwischen Website, Präsentation und Gespräch
  • Keine Absagen. Ein Netzwerk, das jeden mit Geld und in jeder Stadt nimmt, schützt weder die Marke noch Sie
Prüfen Sie uns nach derselben Liste
Die Kennzahlen der Standorte des Netzwerks sind durch Daten des Fiskaldatenbetreibers belegt, die Standortliste ist auf der Netzwerkkarte offen, Kontakte aktiver Partner und Videointerviews mit ihnen sind ohne Einschränkung zugänglich. Stellen Sie unbequeme Fragen — das ist ein normaler Teil des Geschäfts.

Die letzte Frage — an sich selbst

Ein Franchise nimmt einen Teil der Risiken, macht aus dem Geschäft aber kein passives Einkommen. Ein Standort verlangt Führung, Arbeit mit Menschen und Präsenz zumindest in den ersten Monaten.
Wenn die Antwort auf die Frage „Bin ich bereit, mich damit zu beschäftigen“ Nein lautet, rettet keine Prüfung des Franchisegebers — und das sollte man vor der Unterschrift verstehen, nicht danach.